Archiv für August 2008

NPD tagte in Opherdicke hinter verschlossenen Türen

Holzwickede. Grund für das große Polizeiaufgebot am Samstag in Opherdicke, war eine Saalveranstaltung der neonazistischen Partei NPD. Die Antifa UNited, ein Zusammenschluss antifaschistischer Gruppen aus dem Kreis Unna, hatte schon am Sonntag auf eine Veranstaltung mit extrem rechten Hintergrund hingewiesen. Vor der Sportanlage „Am Haarstrang“ hatten Neonazi-Ordner einen Parkplatz bewacht.

Der NPD Landesverband teilte am 18.August im Internet mit, im Kreis Unna habe eine Veranstaltung mit 100 Teilnehmern stattgefunden. Als Redner traten nach NPD-Angaben der Kreisvorsitzende Hans Jochen Voß (Unna), das DVU-Ratsmitglied Axel Thieme (Dortmund), sowie „einer der bedeutensten deutschen Bevölkerungswissenschaftler“ auf. Da letzterer „auch für öffentliche Einrichtungen tätig“ sei, wolle man seinen Namen nicht nennen.

Die Veranstaltung war Teil der NPD-Kampagne „Deutsche wehrt Euch – Gegen Überfremdung, Islamisierung und Ausländerkriminalität!“, die in widerwärtiger, rassistischer Manier gegen ausländische Mitbürger und Menschen islamischen Glaubens hetzt.[2] Der Name weckt sofort Assoziationen mit dem bekannten Slogan der NSDAP „Deutsche wehrt Euch – Kauft nicht bei Juden“. „Damit ist wieder einmal mehr als deutlich geworden, dass die NPD eine Partei in der Tradition der NSDAP ist. Wir werden dem Treiben der Neonazis nicht tatenlos zusehen“, so die Antifa UNited.

Auf Unverständnis stößt bei der Antifa das Verhalten der Polizei: „Wie kann es sein, dass die Polizei eine solche Neonazi-Veranstaltung beschützt, anstatt sie zu unterbinden? Wer wurde von der Polizei über die Veranstaltung im Vorfeld überhaupt informiert? Warum erhält die Öffentlichkeit in Holzwickede und dem Kreis Unna keine Informationen darüber, dass sich mitten unter ihnen Neonazis treffen?“

Die vor allem vom NPD-Vorsitzenden Hans Jochen Voß organisierten Veranstaltungen sind für die NPD von zentraler Bedeutung. Hier schulen sie ihre Mitglieder und werben Sympathisanten. „Wer nichts gegen diese Veranstaltungen unternimmt, unterstützt die Neonazis indirekt“, so eine Antifa-Sprecherin.

Vor einigen Wochen hatte bereits eine ähnliche Saalveranstaltung in Dortmund stattgefunden. Auch sind zwei „Aktionswochen“ im Herbst angekündigt. Der NPD.-Kreisverband Unna/Hamm kündigt indes weitere Veranstaltungen an. „Das Programm der nächsten Monate wird es in sich haben. Maßgebende Politiker des NW („Nationaler Widerstand“, Anm. d. Antifa UNited), einige hochkarätige Wissenschaftler und Künstler werden wieder vor unserem Kreis auftreten.“

Die Antifa UNited ruft dazu auf, Widerstand gegen die Neonazis zu organisieren und Informationen, zum Beispiel über geplante Info-Stände oder Veranstaltungen zu melden. Im Internet bietet die Antifa auch eine Handreichung an, die Gastwirte informiert, wie sie NPD-Veranstaltungen unterbinden können: www.wirte-handreichung.de.vu

PM: Rechtsextreme Feier auf der Sportanlage Haarstrang?

Holzwickede. Am Samstagabend fand in Opherdicke an der Sportanlage Haarstrang offenbar eine rechtsextreme Veranstaltung statt. Die Polizei war mit einer Einsatzhundertschaft aus Wuppertal vor Ort, errichtete eine Straßensperre und kontrollierte die durchfahrenden Autos. Aber auch die Rechtsextremen führten Kontrollen durch. Jeder Wagen der auf den Parkplatz fuhr wurde von einem „Parkplatzwächter“ in Augenschein genommen. Bis in die Nacht hinein wurde die Straßensperre aufrechterhalten und der angrenzende Parkplatz von Polizeistreifen überwacht.

Während die Polizei bisher noch keine Stellungnahme zu dem Großeinsatz abgegeben hat, war vor Ort nur zu erfahren, das es sich um eine Holzwickede. Veranstaltung rechtsextremer handele. Die Antifa UNited vermutet, dass es sich bei der Veranstaltung um ein sogenanntes Gedenken an den Hitler-Stellvertreter Rudolf Hess handelte. Dieser hatte sich am 17. August 1987 im Kriegsverbrechergefängnis Spandau das Leben genommen, und wird von der rechen Szene seither als Märtyrer verehrt.

„Für die rechte Szene ist der vermeintliche Märtyrer Hess seit seinem Selbstmord eine Identifikationsfigur mit beträchtlicher Bedeutung,“ so ein Sprecher der Antifa. „Seitdem die jährlichen Demonstrationen in Wunsiedel verboten werden, versuchen die Rechtsextremen mit solchen regionalen Gedenkveranstaltungen an diese anzuknüpfen.“

Der Hausmeister der Sportanlage will indes nichts von einer Veranstaltung wissen. Auch von dem Polizeieinsatz habe er nichts bemerkt, ließ er auf Nachfrage verlauten.