NPD-Kandidaten zur Bundestagswahl

Wahlkreis 145 Unna I
(Bergkamen, Bönen, Fröndenberg, Holzwickede, Kamen, Schwerte, Unna)

steinbiß
Holger Steinbiß, Lippstadt Der 38-jährige Holger Steinbiß wohnt in Lippstadt, kandidiert aber für die NPD im Kreis Unna. Er möchte es anscheinend vermeiden, dass zu viele Menschen in seinem Wohnort von seinem Engagement für die NPD erfahren. Dabei kann Holger Steinbiß auf eine lange Karriere in der extremen Rechten zurück blicken.

Steinbiß wurde Anfang der Neunziger Jahre in der Berliner Nazi-Szene politisiert. Unter anderem war er schon damals in der „Nationalistischen Front“ (NF) organisiert, einer Nazi-Gruppe, die auch regelmäßig Wehrsportübungen durchführte. Sie wurde im November 1992 vom Innenministerium verboten. Steinbiß war außerdem Redaktionsmitglied der Zeitschrift „NS-Denkzettel“. Ende 1994 durchsuchte deshalb die Polizei seine Wohnung. Die Zeitschrift hatte zuvor über den „Weißen Arischen Widerstand“, ein Konzept des „führerlosen Widerstandes“, berichtet. 1993 hatten Neonazis unter dem Label „Weißer Arischer Widerstand“ einen Handgranatenangriff auf ein Flüchtlingsheim in Berlin-Weißensee verübt. Eine Zugehörigkeit zu dieser Gruppe konnte Steinbiß aber nicht nachgewiesen werden. (siehe auch: „Fight Back“, Ausgabe 1 )

Wärend Steinbiß in den 90er Jahren häufig auftauchte wurde es nach dem Verbot der „Nationalistischen Front“ ruhig um ihn. Später trat Steinbiß dann jedoch in die NPD ein. Auf einer NPD-Demonstration im März 2009 in Osnabrück betätigte sich Steinbiß als Anti-Antifa-Fotograf, indem er GegendemonstrantInnen abfotografierte (siehe: Foto). In der Neonazi-Szene tauchen immer wieder so genannte Anti-Antifa-Listen mit Fotos und persönlichen Daten von AntifaschistInnen auf. Auch der „Nationale Widerstand Unna“ veröffentlichte zu Beginn diesen Jahres solch eine Liste mit Drohungen.

Als Berufsbezeichnung gibt Steinbiß „technischer Zeichner“ an. Er handelt aber professionell mit NS-Devotionalien, wie alten SS-Abzeichen, Uniformen oder Dokumenten. Bei militaria123.com bietet er unter dem Pseudonym „Edelschwarte“ hunderte von Devotionalien aus dem Nationalsozialismus an.

Wahlkreis 146 Hamm-Unna II
(Hamm, Lünen, Selm, Werne)

Voß
Hans Jochen Voß, Unna Im Wahlkreis 146 kandidiert der Vorsitzende des NPD-Kreisverbands Unna/Hamm. Voß ist seit den Sechziger Jahren in der NPD und ist die wichtigste Stütze des lokalen Kreisverbandes. Er organisiert maßgeblich die monatlichen Schulungsveranstaltungen, die in wechselnden Gaststätten in der Region stattfinden. Um überhaupt die Räume anbieten zu können, lässt er die Wirte im Unklaren über den Veranstaltungszweck. In den letzten Jahren hat er schon mehrfach Räumlichkeiten verloren, als die getäuschten GastwirtInnen über den Charakter der Veranstaltungen aufgeklärt wurden. Auf den Veranstaltungen referiert immer wieder Prominenz aus der NPD und der Neonazi-Szene, weswegen die Schulungen eine überregionale Bedeutung haben. TeilnehmerInnen reisen regelmäßig aus dem Ruhrgebiet, dem südlichen Münsterland, Ostwestfalen, dem Sauerland und dem Bergischen Land an.

Voß arbeitet öffentlich mit sämtlichen, gewalttätigen Nazi-Kameradschaften in der Region zusammen. Er unterstützt sie finanziell und bei der Organisation von Saalveranstaltungen, die Nazi-Kameradschaften machen für die NPD Wahlkampf. Den Bundestagswahlkampf lässt Voß maßgeblich von der „Kameradschaft Hamm“, dem „Nationalen Widerstand Unna“ sowie den „Freien Nationalisten aus Lünen“ bestreiten. Alle Kameradschaften sind für Nazi-Schmiereien, Sachbeschädigungen, Drohungen und Angriffe gegen nicht-rechte Jugendliche einschlägig bekannt. Das stört den Faschisten Voß natürlich nicht, schließlich vertrete man ja die selben Ziele, nur der Weg – Partei oder Kameradschaft – unterscheide sich, schrieb die NPD jüngst. An die wichtigste Nazi-Kameradschaft in NRW, den „Nationalen Widerstand Dortmund“ spendete Voß im Vorfeld der Kommunalwahl sogar 3000 Euro!

Sein Geld verdient Hans Jochen Voß mit der „Verbraucher Versicherungsvermittlungs Zentrum Gmbh“ (VVZ) mit Sitz am Markt in Unna.

Weitere Kandidaten des NPD KV Unna/Hamm:
Mitglieder des NPD Kreisverbands Unna/Hamm kandieren bei den Bundestagswahlen außerhalb des Kreis Unna.

Harald Röhl (Wahlkreis Soest):
Der Kraftfahrer Röhl (Jahrgang 1962) „tauschte“ den Wahlkreis mit Holger Steinbiß. Röhl wohnt mittlerweile in Lünen. Zur Landtagswahl 2005 trat er für die NPD im Wahlkreis an, damals wohnte er noch in Bergkamen.

Günther Hartwig (Platz 5 der NRW-Reserveliste der NPD):
Obwohl der Arbeitsmediziner Dr. med. Günther Hartwig in Bielefeld wohnt und arbeitet, ist er Mitglied des NPD KV Unna/Hamm. Er begründet dies mit seiner besonderen Beziehung, die er zu diesem NPD-Kreisverband habe. Als Direktkandidat tritt Hartwig in keinem Wahlkreis in NRW an.