Protest gegen Veranstaltung der NPD in Dorstfeld


Am Freitagabend fand in Dortmund-Dorstfeld eine antifaschistische Kundgebung gegen eine zeitgleich stattfindende NPD-Veranstaltung statt. Die extrem rechte Partei traf sich zu ihrer monatlichen Versammlung im Ladenlokal des „Nationalen Widerstands Dortmund“ in der Rheinischen Straße 135. Veranstalter der NPD-Versammlung war die NPD Unna/Hamm, deren Vorsitzender Hans Jochen Voß die circa 30 überregional angereisten NPD-Sympathisant_innen vor dem Ladenlokal begrüßte. Der Veranstaltungsort wurde von Mitgliedern der Neonazi-Kameradschaften aus Dortmund und Hamm abgesichert.


Neonazi-Treffpunkt in der Rheinischen Straße
Der Veranstaltungsort, ein Ladenlokal in der Rheinischen Straße 135, beherbergte bis Mitte 2005 den Naziladen „Buy or Die“. Anfang Juli wurde es von einem Mitglied des „Nationalen Widerstands Dortmund“ als Wohnraum angemietet. In der Vergangenheit fanden dort mehrfach Parties der rechten Szene statt. Eine Schulungsveranstaltung der NPD ist aber ein Novum. „Wir glauben nicht, dass die Nutzung der Räumlichkeiten als Veranstaltungsort und Parteilokal mit der im Mietvertrag festgelegten Nutzung als Wohnung konform geht. Der Vermieter sollte darauf hinwirken, das die Nazis die Räumlichkeiten schnellstmöglich wieder verlassen müssen“, so Simon Schmidt, Sprecher des Antifaschistischen Impuls Dortmund.


Dass die monatliche Versammlung der NPD Unna/Hamm diesmal in Dortmund stattfand, ist auf den Druck von Antifaschist_innen im Kreis Unna zurück zu führen. In der Vergangenheit mietete die NPD für ihre Veranstaltungen Räume in Gaststätten an. Da sie aber die Wirte regelmäßig über den Zweck der Anmietung täuschte, beispielsweise trat sie unter dem Deckmantel eines „Heimatvereins Hellweg“ auf, wurde sie mehrfach des Hauses verwiesen, nachdem die Wirte über ihre Gäste aufgeklärt worden waren. So konnten alleine in diesem Jahr vier Veranstaltungen in Kamen-Methler, Kamen-Heeren, Hamm-Herringen und Unna nicht stattfinden.

Offenbar hat die NPD Unna/Hamm aus diesen wiederholten Blamagen vor dem eigenen Klientel Konsequenzen gezogen und meidet den Kreis Unna. Vor Protest und Störung ihrer Veranstaltung schützt sie das jedoch nicht. „Wenn die NPD gedacht hat, sie könnte unserem Protest mit einem Ortswechsel entfliehen, so hat sie sich getäuscht“, meint Tina Strobel, Pressesprecherin der Antifa UNited. „Innerhalb kürzester Zeit nach dem Bekanntwerden der Veranstaltung haben sich knapp 40 Menschen zu einer spontanen Kundgebung zusammengefunden, um ihren Unmut über die Neonazi-Aktivitäten auszudrücken.“ In Redebeiträgen wurden die Anwohner über die Geschehnisse aufgeklärt.

Verhältnis NPD und Neonazi-Kameradschaften
„Das Verhältnis zwischen der NPD Unna/Hamm und den sog. parteifreien Neonazis war schon immer gut. Zuletzt hat Hans-Jochen Voß sich im Wahlkampf die Unterstützung des Nationalen Widerstand Dortmund durch eine Spende über 3000 Euro gesichert“, so Simon Schmidt, Sprecher des Antifaschistischen Impuls Dortmund. Die Zusammenarbeit zeige, dass die NPD nicht das geringste Problem damit hat, gewalttätige Neonazis zu unterstützen. Der „Nationalen Widerstand Dortmund“ ist für zahlreiche Angriffe auf Andersdenkende verantwortlich, jüngst für die Terrorisierung einer Dorstfelder Familie, die als Nazigegner_innen gelten.


D. Surmann, S. Krolzig (links) und C. Drewer(rechts) vor dem Naziladen

„Wir finden es unerträglich, dass solche Veranstaltungen stattfinden, und werden auch in Zukunft gegen NPD und sog. parteifreie Neonazis vorgehen“, waren sich Tina Strobel und Simon Schmidt einig. Gegen 20:15 wurde die Kundgebung vor dem extrem rechten Veranstaltungsort beendet. Die Demonstrant_innen zogen geschlossen zum „Cafè Corso“, wo am Abend ein Konzert zur Unterstützung der von Naziangriffen betroffenen Dortmunder Familie stattfand.

//// Hintergrund-Informationen zur NPD Unna/Hamm ////
Die wichtigsten Aktionen der NPD Unna/Hamm sind ihre monatlichen Versammlungen, die von Mitglieder und Sympathisanten aus dem Ruhrgebiet, Sauerland und Münsterland besucht werden. Dem NPD-Kreisverband gelingt es immer wieder, Prominenz aus der rechten Szene zu gewinnen. So sprachen bereits der NPD-Vorsitzende Udo Voigt oder der bekannte Hamburger Rechtsanwalt und NPD-Bundesvize Jürgen Rieger im Kreis Unna. Seit fünf Jahren veranstaltet die NPD im Dezember zudem ein Konzert mit dem neonazistischen Liedermacher Frank Rennicke.

Organisator dieser Veranstaltungen ist Hans-Jochen Voß. Der Unnaer besitzt die VVZ GmbH, eine Versicherungsvermittlung am Unnaer Marktplatz. Voß ist seit den sechziger Jahren in der NPD und Vorsitzender des Kreisverbandes Unna/Hamm. Er mietet die Räume für die Schulungsveranstaltungen und tritt öffentlich als Pressesprecher und Vorsitzender des Kreisverband auf. Bei der Bundestagswahl im September kandidierte Voß im Wahlkreis Hamm-Unna II.

Voß spendete vor den Kommunalwahlen 3000 Euro an den „Nationalen Widerstand Dortmund“, damit dieser nicht die konkurrierende DVU im Wahlkampf unterstützt. Voß sagte dazu auf dem extrem rechten Internetportal „gesamtrechts“: „Was die beanstandete Unterstützung der Dortmunder Autonomen angeht, so unterstütze ich selbst diese bereits seit Jahren aus meinen eigenen bescheidenen Mitteln sowohl finanziell als auch personell.“ Die gewalttätigen Kameradschaftler danken es ihm, indem sie NPD-Veranstaltungen schützen, NPD-Plakate aufhängen und Infostände durchführen. Bei den Kommunalwahlen trat die NPD Unna/Hamm, anders als der Dortmunder Kreisverband, nicht an.

Weitere Informationen:

Spende an Dortmunder Neonazis

Wahlauswertung Kreis Unna

Informationen zur Dortmunder Neonazi-Szene aus der Zeitschrift LOTTA

Wirtehandreichung mit Tipps und Tricks