Archiv für März 2010

Blumen für Pelkum

In diesem Jahr jährt sich die „Schlacht bei Pelkum“ zum neunzigsten Mal. Am 1. April 1920 kämpften Einheiten des Freikorps Epp und der Reichswehr gegen aufständische ArbeiterInnen, die sich in der „Roten Ruhr Armee“organisiert hatten. Im Laufe der Schlacht und vor allem in Anschluss an diese, in den zahlreichen Hinrichtungen und Massakern, wurden über 90 ArbeiterInnen von den Soldaten getötet. Zu ihrem Gedenken versammelten sich am Samstag über 80 Menschen am Massengrab am Pelkumer Friedhof. (mehr…)

Kamen: Kundgebung gegen Rechts

Am Samstag riefen die Jusos relativ kurzfristig zu einer Kundgebung auf, mit der die Solidarität mit den vor einer Woche überfallenden AntifaschistInnen ausgedrückt werden sollte. Am Sonntag, den 14. März hatte eine Gruppe von 35 bis 40 Neonazis versucht eine Antifa-Veranstaltung im Backyard Cafè zu überfallen. Die Anwesenden konnten die AngreiferInnen erfolgreich abwehren, die Polizei setzte später fast alle von ihnen am Bahnhof fest. Diese für Kamen neue Qualitität der Neonazi-Gewalt hatte in der Stadt für viel Empörung gesorgt, so dass auch zahlreiche BürgerInnen zu der kurzweiligen Kundgebung auf den Marktplatz kamen. Viele Mitglieder der Linkspartei und der Antifa-Gruppen nahmen zeitgleich an der Demonstration gegen die Abwälzung der Krisenlasten in Essen teil. VertreterInnen der Jusos, des BgR, der Antifa UNited und der Schwarzen Antifa Unna verurteilten einhellig die Neonazi-Gewalt, solidarisierten sich mit den Antifa-Gruppen und betonten auch weiterhin gemeinsam gegen die extreme Rechte vorgehen zu wollen.
Bericht der Westfälischen Rundschau

Neonazis greifen Infoveranstaltung im GAL-Zentrum an

Polizei greift nicht ein. Antifaschist_innen wehren Angreifer_innen ab.

Kamen. Am Sonntagnachmittag haben circa 40 Neonazis eine Infoveranstaltung im GAL-Zentrum in Kamen überfallen. Die Rechten, die mit dem Nahverkehrsbus bis Kamen Markt angereist waren, liefen zielstrebig zum GAL-Zentrum in der Güldentröge. Dort angekommen begannen sie mitgeführte Wurfgeschosse in den Hof zu schmeißen. In der minutenlangen Straßenschlacht versuchten sie mehrfach unter Parolen wie „Hasta la Vista, Antifascista“ („Auf Wiedersehen, Antifaschismus“) in den Hof vorzudringen, wurden daran jedoch von den anwesenden Besucher_innen der Veranstaltung gehindert.

Die Polizei war laut eigenem Bekunden bereits am frühen Nachmittag über eine Aktion der Neonazis informiert. Anwohner_innen hatten ein anonymes Warnschreiben erhalten, in dem auf einen Plan der rechten Szene, mit einer größeren bewaffneten Gruppe bei der Veranstaltung zu erscheinen, hingewiesen wurde. Trotzdem gelang es der Polizei nicht, bei Erscheinen der Neonazis ausreichend Kräfte zusammenzuziehen um die Veranstaltung zu schützen. Die anwesenden Polizisten griffen nicht ein, sondern beschränkten sich darauf den Gewaltausbruch der Neonazis zu beobachten.

Erst am circa 10 Minuten entfernten Bahnhof gelang es der Polizei die Angreifer_innen festzusetzen. Bei den darauf folgenden Kontrollen wurden unter anderem Teleskopschlagstöcke, Pfefferspray und eine Stahlrute beschlagnahmt. 34 Personen wurden in Gewahrsam genommen und erst am späten Abend wieder auf freien Fuß gesetzt.

Unter den Angreifer_innen waren mehrere bekannte und einschlägig vorbestrafte Neonazis, etwa Sascha Krolzig, der Anführer der Kameradschaft Hamm und Alexander W. aus Fröndenberg, gegen den zur Zeit in mehreren Fällen wegen Sachbeschädigungen und Schmierereien ermittelt wird.

„Es ist ein Skandal, dass die Polizei trotz Vorwarnung nicht in der Lage war eine Informationsveranstaltung über Neonazis zu schützen. Genauso skandalös ist es, dass die anwesenden Streifenpolizist_innen tatenlos zusahen wie die Neonazis mehrfach versuchten in den Hof zu stürmen“, kommentierte Tina Strobel, Pressesprecherin der Antifa UNited. „Die Vorfälle zeigen uns wieder einmal, dass es keine Alternative zu antifaschistischem Selbstschutz gibt.“

Veranstaltungshinweis: Backyard Cafe am 14. März

Das Backyard Cafe geht im mitlerweile nicht mehr ganz so neuen Jahr wieder an den Start:

Für die nächsten zwei Monate stehen wieder Vorträge fest. Mit Bezug auf die anstehenden Wahlen wollen wir euch über die “Autonomen Nationalisten” und die rechte Szene in Unna aufklären.

Nach den beiden Erfolgen in Dresden im Januar und Dortmund im letzten September heisst es, den Nazis weiter auf die Nerven zu gehen und zu stören, zu verhindern und zu informieren, wo immer es geht. Wir starten deshalb am kommenden Wochenende mit einem Vortrag über die sog. “Autonomen Nationalisten”.

Die Veranstalltung findet am Sonntag, den 14.03. im Backyard Café, Güldentröge 18, in Kamen statt. Der Vortrag beginnt um 16 Uhr. Für kleines Geld gibt es kalte und warme Getränke. Alle Interessent_innen sind herzlich eingeladen!

Weitere Informationen zum Vortrag, sowie den anderen Veranstaltungen, findet ihr auf der Seite des Backyard Cafés.

Neonazis machen Fackelmarsch mit Hakenkreuzfahne und schänden jüdischen Friedhof

Unter dem Gegröhle des Horst-Wessel-Liedes und mit Fackeln und einer Hakenkreuzfahne ausstaffiert, haben 40 Neonazis (Eigenangabe) am Samstag, den 23. Februar dem SA-Mann Horst Wessel gedacht.

“Schon lange hörte Ich von diesem Termin, dem 23. Februar. Hier und da vernahm man, dass die Kameraden der ‘Autonomen Nationalisten Ahlen’ eine Aktion planen, deren Durchführung an jeden Gesinnungsparagraphen der Bundesrepublik kratzt“ – so beginnt ein „Aktionsbericht“, der keine 24 Stunden auf der Internetseite des „Freien Netz Unna“ zu lesen war. Ein „Kamerad aus Unna“ berichtet darin von dem Fackelmarsch. Mit viel Pathos geht der Bericht weiter: „Ich war aufgeregt und gespannt, trotz Angst vor großer Repression durch den Staat ging es am frühen Abend los Richtung Ahlen, der ersten judenfreien Stadt im Deutschen Reich.“ Und endet schließlich voller Kitsch mit den Worten: „Richtung Straße merkte Ich, wie die Autos weit weg langsamer fuhren, der Lichtschein schien sie zu verunsichern, aber vielleicht strahlte das heilige Symbol auf rotem Stoff, welches der Reihen voran getragen wurde, soviel Leuchtkraft aus, dass auch die Autofahrer es erblickten.“ Das „heilige Symbol“, dass die Neonazis mit sich führten, war eine Hakenkreuzfahne, was auch durch ein Video dokumentiert wird, dass auf einem russischen Portal hinterlegt wurde.

Der Nationale Widerstand Unna

Damit haben beteiligten Nazi-Gruppen „Kameradschaft Hamm“, „Nationaler Widerstand Unna“ und „Autonome Nationalisten Ahlen“ einmal mehr gezeigt, in welcher Tradition sie stehen und wer ihre Vorbilder sind. Nicht, dass sie sich nicht auch bei anderen „Aktionen“ schon als moderne WiederläuferInnen der historischen FaschistInnen präsentiert hätten. Der Unterschied liegt einzig im offenen Zeigen des NSDAP-Symbols, das seit 1945 in Deutschland verboten ist. Unsicher, ob sie sich mit dieser Aktion nicht doch etwas zu weit aus dem Fenster gelehnt haben, versuchen sie nun ihre Spuren im Internet zu verwischen. Die „Aktionsberichte“ verschwanden von ihren Webseiten und das Video wurde nachberarbeitet.

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Alexander Wilhelm (zeigt Hitlergruß), Marc Schrot (m, mit Everlast-Pulli)

Die drei beteiligten Nazigruppen haben in den letzten Jahren schon desöfteren zusammen gearbeitet. Die Mitglieder des „Nationaler Widerstands Unna“ (die, um Kontinuität und vorhandene Gruppenstrukturen zu verbergen, sich seit kurzem “Freies Netz Unna” nennen) stellten dabei nicht nur das Fußpersonal. Auf der „Gedenkveranstaltung“ am Samstag soll auch ein „Kamerad aus Unna“ gesprochen haben. Anführer der Unnaer Neonazis ist der Fröndenberger Alexander Wilhelm. Weitere Aktivisten sind Bastian Löhr, Marc Schrot (mittlerweile nach Dortmund vorzogen) sowie Anja Kempa und ihr Lebensgefährte Christoph Komotzki. Letzterer ist Inhaber der Firma „K&K Tischlerteam“ aus Dortmund-Wickede.

Friedhof in Hamm geschändet

Ebenfalls am Wochenende wurde der jüdische Teil des Ostfriedhofs in Hamm geschändet. Neonazis sprühten Hakenkreuze und „Juden raus“ auf Grabsteine. Mit der selben Farbe wurde auch „Mord an Horst Wessel“ an das Büro der Linkspartei in Hamm geschmiert. Es ist also davon auszugehen, dass es sich bei den TäterInnen, um TeilnehmerInnen des Fackelmarsches gehandelt hat. Bereits am 13. und 20. Februar haben Neonazis, eigenen Angaben zufolge, der SA-Männer Otto Senft in Dortmund-Dorstfeld und Wilhelm Sengotta in Unna-Massen gedacht. Auch sie werden von den Neonazis als „Blutszeugen“ ihrer „Bewegung“ verehrt.

Auch die Autonomen Nationalisten Ahlen sind nicht das erste Mal durch NS-verherrlichende und rassistische Aktionen aufgefallen. Weil sie auf ihrer Internetseite ein rassistisches Pamphlet verbreitet hatten, stellte die Jüdische Gemeinde Münster jüngst eine Strafanzeige gegen die Gruppe. Die hat den Text wieder aus dem Internet genommen. Die Staatsanwaltschaft hält eine Ermittlung der Verfasser für unwahrscheinlich, da die Server in den USA lägen. Trotzdem razzte die Polizei in der vergangenen Woche einen „Kameradschaftsabend“ in Ahlen und nahm die Personalien der acht Anwesenden auf.

friedhof hamm
Antisemitische Schmiererein in Hamm, mehr Fotos bei der Antifa Hamm

Was liegt an? Termine in der nächsten Zeit

In diesem und dem nächsten Monat liegen eine Menge wichtiger Aktionen und Termine an. Hier ein kleiner Überblick für euch.

19.03.2010 – 15.00 Uhr – Dortmund
Antifaschistischer Frühjahrsputz in Dorstfeld

Das Bündnis Dortmund Gegen Rechts, das vor kurzem sein zehnjähriges Bestehen feierte, veranstaltet wieder einen antifaschistischen Frühjahrsputz in dem von Neonazis geplagten dortmunder Stadtteil Dorstfeld. Aufkleber und anderen Nazipropagandadreck entfernen!
Infos: bdgr.blogsport.de

26.03.2010 – 18.00 Uhr – Aachen
2 Jahre nach dem Überfall der Neonazis auf eine friedliche antifaschistische Demonstration stehen die Täter immer noch nicht vor Gericht! Gewährendes Verhalten und mangelnde Strafverfolgung seitens Polizei, Staatsanwaltschaft und Justiz fördern, dass Neonazis in der Region Aachen immer dreister auftreten und zunehmend ein Klima der Angst schüren.
Antifa-Demo gegen verharmlosenden Umgang mit den Neonazis der Region
Infos: antifabuendnisac.blogsport.de

27. und 28.03.2010 – Duisburg
Die rechtspopulistische „Bürgerbewegung pro NRW“ kündigt für das letzte Märzwochenende eine „internationale Konferenz für die Einführung eines Minarettverbots“ an. Neben mehreren Aktionen im Ruhrgebiet, soll der Höhepunkt dieses Wochenendes ein „Sternmarsch“ am 28. März auf die Merkez-Moschee in Duisburg-Marxloh sein.Um im Blick auf die kommende Landtagswahl in NRW nicht ins Hintertreffen zu geraten, hat der Landesverband NRW der NPD vor, am gleichen Wochenende „zwei öffentlichkeitswirksame Aktionen in der Rhein-Ruhr Metropole Duisburg“ durchzuführen. Höhepunkt soll ebenfalls eine Demonstration am 28. März in Duisburg mit dem Motto „Der kulturellen, ethnischen und religiösen Überfremdung unserer Heimat entgegentreten – Keine islamische Machtsymbolik in unseren Städten und Gemeinden!“ sein.
Es sind Blockaden und weittragende Proteste ankekündigt und geplant.
Infos: maerzdu.blogsport.de

03. und 04.04.2010 – Stolberg
In Stolberg findet am 03. April im dritten Jahr in Folge eine neonazistische Großdemonstration statt. Auch dieses Jahr werden hunderte Neonazis im migrantischen Viertel aufmarschieren, um ihren Rassismus auf die Straße zu tragen.
Infos: akantifaac.blogsport.de

03.04.2010 – 16.00 Uhr – Dortmund
Antifa-Demo: Linke Freiräume erkämpfen! (siehe vörheriger Artikel)
Infos: antifaunion.blogsport.de

10.04.2010 – 14.00 Uhr – Essen
Antifa-Demo gegen Thor Steinar-Laden und rechten Lifestyle
Infos: sayaufwiedersehen.blogsport.de

Aktuelle Infos zu Terminen in Umgebung und Region findet ihr auch unter der Rubrik „Termine“.