2. Prozesstag gegen Bergkamener Brandstifter

Am 24.04. fand in Dortmund der zweite Verhandlungstag im Falle der rechten Brandstifter aus Kamen statt. Das Landgericht Dortmund hatte am vorherigen Freitag den Prozess gegen Björn Mühlnickel und Martin Thomas Mrozik, die im Juli letzten Jahres mehrere Brandstiftungen in Bergkamen begangen haben sollen, eröffnet. Der zweite Verhandlungstag versprach weitaus spannender zu werden, da beide Beschuldigten angekündigt hatten, sich zu den Vorwürfen zu äußern.

Doch es blieb vorerst nur bei einer Schilderung der Geschehnisse. Der als Haupttäter beschuldigte Mühlnickel bekam als erster das Wort. Er lieferte einen sehr genauen und detailirten Ablauf der Tatnacht des 23. Juli 2011. So konnte er sich beispielsweise an kleine Details wie eine orange gestrichene Laterne auf der anderen Straßenseite oder ein silbernes Radio in einem PKW vor der Moschee erinnern. Er erinnerte sich ebenfalls genau wo und in welcher Reihenfolge das Feuer gelegt wurde. Konträr zu diesen Äußerungen behauptete er jedoch, sich mit seinem Mittäter am Abend des 23.06. immer mehr betrunken zu haben. Angesichts seiner genauen Angaben zum Geschehen wohl eher ein trauriger Versuch sich unzurechnungsfähig zu reden.

Interessant ist auch die Behauptung, Mühlnickel und Mrozik hätten die Moschee, in der er laut Eigenaussage lediglich Werkzeug entwenden wollte, garnicht als eine Solche erkannt. Richter Marc Bünneke hingegen konnte das Gebäude auf den Fotos vom Tatort mühelos anhand der typischen Bauweise als Moschee erkennen. Dass das Feuer im Gebäude auch eher zufällig entstanden sein soll, rundet die unterhaltsame Erzählung Mühlnickels auf ihrem Höhepunkt ab. Nur, dass ein an den Teppich geratenes Feuerzeug den Brand im eigenen Keller verursacht habe, topt die Geschichte noch. Beide Beschuldigten hielten es, für den Fall, dass dies der Wahrheit entspricht, anscheinend auch für besser, daraufhin in Mühlnickels Wohnung zurückzukehren anstatt sich um das Feuer im eigenen Haus zu kümmern.
Mühlnickel wollte sich zu den Vorwürfen hinsichtlich der zweiten Tatnacht nicht äußern, sodass den Gästen im Gerichtssal Weiteres erspart blieb.

Bereits nach dem ersten Prozesstag vergangener Woche tietelten Teile der lokalen Medien, die Taten der Beschuldigten hätten keinen politischen Hintergrund (Beleg, z.B. als Link zum Westen?!). Wir halten diese voreiligen Schlüsse für mehr als unprofesionell und voreilig. Denn die Beschuldigten hatten sich zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal selbst zu den Taten gäußert. Außerdem ist eine unvollständige Rechercheleistung erkennbar. So hatte Björn Mühlnickel seit seiner Kindheit Kontakt zu rechten Szene. Er gab selbst an, langjähriges Mitglied der NPD gewesen zu sein, und war letzten Endes zu einem aktiven Mitglied der Rechten in Kamen und Unna geworden. Sein ehemaliges politisches Umfeld hat noch vor Kurzem damit Schlagzeilen gemacht, dass sie die Taten des rechtsterroristischen NSU offen begrüßten. (##link) Die Neonazis schrecken offenbar weder vor Hassparolen im Netz, noch vor körperlicher Gewalt auf der Straße zurück um ihre Ziele durchzusetzten. Die Behauptung, das Feuer sei ungewollt entstanden, oder nur zum Spass gelegt worden, verhönt die Betroffenen und scheint ein trauriger Versuch, sich aus der Affäre zu ziehen. Wir können nur hoffen, dass Björn Mühlnickel mit diesem Vorhaben keinen Erfolg hat. Es bleibt abzuwarten wie sich der Prozess weiterentwickelt. Spaß als Tatmotiv für einen Brandanschlag eines Neonazis auf eine Moschee scheint uns jedoch schon jetzt mehr ein schlechter Scherz als Realität.