Archiv für Dezember 2012

Naziaufmarsch abgesagt.

Nach übereinstimmenden Aussagen der Polizei und des Anmelders wurde der für Samstag geplante Naziaufmarsch gestern abgesagt. Der aus persönlichen Gründen verhinderte Anmelder hatte offenbar niemanden gefunden, der an seiner Stelle den Aufmarsch anmelden wollte.

Die Antifa UNited begrüßt diesen Umstand und wird auf die geplante Kundgebung am Samstag verzichten. Das ebenfalls als Gegenaktion umdeklarierte Adventssingen auf dem Wehnerplatz wird stattfinden, allerdings im ursprünglich geplanten Rahmen.

Ein entspanntes Wochenende wünscht die

Antifa UNited

Hintergrundinformationen zum abgesagten Aufmarsch am 8.12. in Bergkamen

Am 8.12.2012 sollte eine Demonstration „gegen Kinderschänder“ in Bergkamen stattfinden. Anmelder der Demonstration ist der von Haltern am See nach Bergkamen verzogene 24-jährige Michael Bauer (in orange-weißer Puma-Trainingsjacke, siehe Fotos). Eine ähnliche von ihm angemeldete Demonstration, die am 2.12.2012 in Münster stattfinden sollte, fiel ebenfalls aus, da laut Bauer eine Mitveranstalterin krank geworden sei. Bauer versuchte die Demonstration als „eine Veranstaltung von Bürgern für Bürger“ darzustellen, die keinen „politischen Hintergrund“ habe. Doch der Anmelder bewegte sich in Haltern im Umfeld der „Autonomen Nationalisten“. Der Aufmarschversuch wurde deswegen schnell als Anliegen der rechten Szene öffentlich thematisiert, Protestaktionen wurden geplant.

Aussteiger aus der Neonazi-Szene?

Bauer reagierte auf die Vorwürfe, in dem er zuerst seine Internetseite frisierte. Die eigens für den Aufmarsch in Bergkamen eingerichtete Seite mit dem Namen “DEADLine Gegen Kindesmissbrauch und Pädophile Dreckschweine” (sic!) wurde in „DEADLine“ umbenannt. Texte auf der Seite wurden inhaltlich „entschärft“. Der Autorenname änderte sich von „deadline88“ in „deadline2012“.

Gegenüber der Presse und der Polizei behauptete Bauer, ein „Aussteiger“ aus der rechten Szene zu sein. In einer Erklärung im Internet schrieb er, dass er sich von „Nazivorwürfen“ distanziere: „ich hatte damals lediglich Kontakt zu einem Nazi der aber schon seit 3 Jahren nicht mehr besteht.“ (sic!) Wer anderes behaupte, müsse mit rechtlichen Konsequenzen rechnen. Doch die Behauptungen Bauers sind offensichtlich unwahr.

Fotos belegen, dass Bauer noch am 15.05.2011 als einer von knapp 40 TeilnehmerInnen an einem Naziaufmarsch in Recklinghausen teilgenommen hatte. Der Aufmarsch war unter dem Label einer „Bürgerinitiative gegen Kindesmissbrauch“ angemeldet worden. Organisatoren und Teilnehmende des Marsches, die die „Todesstrafe für Kinderschänder“ forderten und sich zum „Nationalen Sozialismus“ bekannten, entstammten ausschließlich aus der NPD und neonazistischen Kameradschaften. Unter ihnen waren mit Marion Figge und Phillippe Bodewig zwei Mitglieder des NPD-Landesvorstandes.

Ebenfalls anwesend waren der NRW-Vorsitzende der Jugendorganisation der NPD, Matthias Halmanns, sowie die damalige Vorsitzende der „Hilfsgemeinschaft für nationale Gefangene“ (HNG) Daniela Wegener . Die HNG wurde wenige Monate später vom Innenministerium verboten.

Einer der Organisatoren und Redner der Demo in Recklinghausen wirkte auch am Aufmarsch in Bergkamen mit. Michele Rethfeld (3. Foto mit Megaphon) ist seit einigen Jahren in der Neonazi-Szene aktiv. Der Haltener gehört zu den „Autonomen Nationalisten Haltern“ und arbeitet für den „Kameradschaftsdienst“, einer braunen Sanitätstruppe. Bei Facebook empfehlen Bauer und Rethfeld den Teilnehmenden des Bergkamener Aufmarsches in „normaler Kleidung“ zu kommen und auf „Bekleidung wo irgendwelchen szeneinternen Sprüche oder so was aufgeführt sind“ (sic!) zu verzichten.

Keine Abkehr von der Szene

Diese Fakten lassen die Aussagen Bauers, mit der Neonazi-Szene nichts mehr zu tun zu haben, als Schutzbehauptungen erscheinen. Zudem steht Bauer weiterhin zu der extrem rechten Parole „Todesstrafe für Kinderschänder“. Im Internet fordert er, „NICHT WEGSCHAUEN SONDERN DIE SCHWEINE WEGBALLERN!“

Neonazis haben seit geraumer Zeit erkannt, dass sie mit solchen Parolen auch Menschen erreichen, die sonst für ihre Propaganda kaum ansprechbar sind. Doch bei einem Emotionsgeladenen und Angst erzeugenden Problem wie sexualisierter Gewalt, stoßen die inhumanen Forderungen nach der Todesstrafe und die Gewaltphantasien der Selbstjustiz auf Zustimmung. Immer wieder werden deswegen Demonstrationen wie jene in Bergkamen und Recklinghausen angemeldet.

Wie den Opfern geholfen und wie sexualisierte Gewalt gegen Kinder und Erwachsene verhindert werden kann, interessiert die Neonazis dabei nicht. Sie verschweigen ebenso, dass die Mehrzahl der Fälle von sexualisierter Gewalt von Personen aus dem engsten Umfeld des Opfers begangen wird – von Verwandten und Bekannten. Stattdessen werfen sie allen, die die Todesstrafe ablehnen, weil sie mit den Menschenrechten nicht vereinbar ist und zudem auch nicht mal ansatzweise das Problem sexualisierter Gewalt löst, vor, sie würden die TäterInnen schützen wollen oder hätten gar Verständnis für deren Taten.

Nachtrag

Der Aufmarsch am 8.12.2012 wurde mittlerweile vom Anmelder „aus Krankheitsgründen“ abgesagt. Er hat aber angekündigt, weitere Demonstrationen anmelden zu wollen.

Den Nazis lautstark entgegentreten! Gegen den Naziaufmarsch am 8.12. in Bergkamen!

Aufruf der Antifa UNited

Am Samstag, den 8.12. wollen Nazis durch Bergkamen marschieren. Dies wollen wir nicht zulassen. Wir rufen euch auf, gegen die Nazis zu demonstrieren!

Der Aufmarsch der Nazis soll um 15 Uhr am Busbahnhof starten und über die Ebert-Straße zum Markt ziehen. Im Internet wird auf einer eigens eingerichteten Website für den Aufmarsch geworben. Die Macher behaupten dort, dass es sich bei ihrer Aktion “um eine Veranstaltung von Bürgern für Bürger handelt“. Das ist aber gelogen. Bei der Polizei wurde der Marsch von einem aus Haltern nach Bergkamen verzogenen Nazi-Aktivisten angemeldet, weitere Nazis sollen Reden halten.

Die Nazis haben für ihren Aufmarsch ein emotional besetztes Thema gewählt, das bei vielen Menschen große Ängste auslöst. Es soll gegen Sexualstraftäter und Kindesmissbrauch gehen. Doch anstatt sich ernsthaft mit dem gesellschaftlichen Problem der sexualisierten Gewalt auseinander zu setzen, fordern die Nazis nur unmenschliche Strafen. Wie den Opfern geholfen und wie sexualisierte Gewalt gegen Kinder und Erwachsene verhindert werden kann, interessiert sie nicht. Sie verschweigen ebenso, dass die Mehrzahl der Fälle von sexualisierter Gewalt von Personen aus dem engsten Umfeld des Opfers begangen wird – von Verwandten und Bekannten.

Es geht den Nazis vor allem darum, mit dem Aufmarsch für ihre menschenverachtenden Ideen zu werben und so neue MitstreiterInnen zu gewinnen. Auch in Bergkamen gibt es junge und alte Nazis und NPD-WählerInnen, die für diese Propaganda empfänglich sind. Die NPD verfügt sogar über eine eigene „Ortsgruppe“. Wohin deren rassistische Ideologie führen kann, wurde im August 2011 deutlich: Ein NPD-Mitglied und sein Mittäter zündeten den Rohbau einer Moschee an der Ernst-Schering-Straße an und legten zwei mal Feuer in einem großen Mehrfamilienhaus. Durch den Rauch wurden viele Personen verletzt. Die Täter haben aus „Hass auf Türken“ die Feuer gelegt, stellte das Gericht klar.

Kommt vorbei und seit laut!

Wir werden nicht zulassen, dass Nazis ungestört durch Bergkamen ziehen. Wir treffen uns deshalb ab 14:30 Uhr zu einer Protestkundgebung am Marktplatz. Bitte bringt Tröten, Trillerpfeifen und andere Geräte zum Krachmachen mit. Wir wollen unsere Ablehnung direkt zeigen. Wir haben keinen Bock auf Nazis – und das sollen sie sehen und hören!

Auf dem Herbert-Wehner-Platz wird eine weitere Kundgebung mit einem Adventssingen stattfinden. Wir begrüßen, dass dieser zentrale Platz von antifaschistischen Kräften besetzt ist. Wir sehen unsere Kundgebung nicht als Konkurrenzveranstaltung, sondern als Ergänzung. Der Widerstand gegen Nazis muss vielfältig und entschlossen sein.

Geht am 8.12. auf die Straße!
Kommt um 14:30 Uhr zu der Kundgebung am Marktplatz!