Nazi-Randale vor dem Dortmunder Rathaus: Unnaer NPD-Chef Voß vor Ort

Am Sonntagabend versuchten Neonazis von „Die Rechte“ und der „Skinfront Dortmund-Dorstfeld“ mit brutaler Gewalt das Dortmunder Rathaus zu stürmen. Die Neonazis setzen Pfefferspray, Flaschen und Faustschläge an. Mehrere Personen wurden verletzt. Das Bündnis Blockado aus Dortmund schreibt über den Vorfall: „Mitglieder der verschiedensten Parteien und autonome AntifaschistInnen postierten sich währenddessen vor dem Eingang des Rathauses, um den Neonazis deutlich zu zeigen, dass sie im Rathaus nicht willkommen sind. Die Neonazis, die in Hooligan-Manier in einheitlichen T-Shirts gekleidet waren, griffen daraufhin die Menschen vor dem Rathaus an. Unter den Angreifern waren etliche Kader des verbotenen “Nationalen Widerstands Dortmund”, unter anderem Dennis Giemsch und Dietrich Surmann. Der Angriff der Neonazis erfolgte mit äußerster Brutalität: (…) Die Nazis haben versucht in SA-Manier das Rathaus zu stürmen, aber zahlreiche Antifaschisten haben sich ihnen in den Weg gestellt.”

Am Rande der Neonazi-Gruppe hielt sich auch der Unnaer NPD-Chef Hans Jochen Voß auf. Er ist als Gönner der Dortmunder und Hammer Neonazi-Szenen bekannt. Immer wieder hat er zugunsten der „Autonomen Nationalisten“ in seine Geldbörse gegriffen. Diese Unterstützung setzt er fort, obwohl die Neonazis nun als „Die Rechte“ antreten und damit eine Konkurrenz zur NPD in Dortmund darstellen. Bei der Kommunalwahl zogen je ein Vertreter der beiden Neonazi-Parteien in den Rat der Stadt ein. „Die Rechte“ entsendet den altgedienten Neonaziführer und Gründer der „Borussenfront“ Siegfried „SS-Siggi“ Borchardt. Die NPD wird Axel Thieme vertreten, der zuvor bereits im Rat saß. „Die Rechte“ bekam 1,0 %, die NPD 0,9 %. „Die Rechte“ ist ebenfalls in vier Dortmunder Bezirksvertetungen gewählt worden.

Wie in den vergangenen Jahren halfen Neonazis aus Dortmund im Kreis Unna im NPD-Wahlkampf aus. So hängten sie beispielsweise einen Teil der NPD-Wahlplakate in Unna auf. Hier wurden menschenverachtende Parolen wie „Gas geben“ und „Geld für die Oma statt für Sinti und Roma“ aufgehangen. Eine angekündigte eigene NPD-Kandidatur zur Kommunalwahl scheiterte in Unna wieder einmal. Bei der Europawahl erzielte die NPD kreisweit 0,9 % (1341 Stimmen). „Pro NRW“ wurde nur von 0,4 % (575 Stimmen) der WählerInnen gewählt. Deutlich besser schnitt die rechtspopulistische „Alternative für Deutschland“ (AfD) ab, die 5,4 % (8417 Stimmen) erzielte. An den Kommunalwahlen im Kreis Unna beteiligte sie sich aber nicht.

In Hamm kam die NPD bei der Europwahl auf 1,1 % (727 Stimmen). Zum Rat der Stadt kandidierte hier ebenfalls nicht die NPD, sondern der Hammer Kreisverband von „Die Rechte“, der Dennis Möller in den Rat schickt. Ein Ergebnis von 0,9% reichte dafür aus. Hätte „Die Rechte“ alle Wahlbezirke besetzen können (sie trat nur in 13 von 29 Wahlbezirken an), dann wäre ihr Ergebnis sicherlich besser ausgefallen. „Die Rechte“ gewann außerdem einen Sitz in der Bezirksvertretung Hamm-Herringen (3,2%).

Insgesamt ist das extrem rechte Potenzial im Kreis Unna nicht angewachsen, sondern im Vergleich zur Bundestagswahl hat die NPD an Zuspruch verloren.

Mehr Informationen zur rechten Szene im Kreis Unna findet ihr in unseren beiden Broschüren von 2014 und 2011.