Die Referent_innen beim AWK – Schaulaufen der Elendsgestalten

Der Alternative Wissenskongress (AWK) in diesem Jahr wird beworben als „1. AWK-Akademie“, unterscheidet sich aber nicht wirklich von den vorangegangenen Kongressen. Ein Fokus liegt auf der Vermittlung von Handlungsoptionen und der Vernetzung der Teilnehmer_innen. Auffallend sind dabei zwei Aspekte, die die Referent_innen betreffen. Zum einen sind mit acht Personen gleich doppelt so viele angekündigt wie in den vergangenen Jahren. Zum anderen stammen die Referent_innen in diesem Jahr überwiegend aus dem eigenen AfD/AWK-Stall. Eberhard Hamer und Rico Albrecht traten bereits bei vergangenen AWKs auf. Hinzu kommen mit Rainer Rothfuß, Leyla Bilge und Myriam Kern gleich drei AfD-Mitglieder. Aber der Reihe nach.

Das ehemalige CSU- und nun AfD-Mitglied Rainer Rothfuß soll beim Kongress den Auftakt machen und von seinen „Druschba-Friedensfahrten“ nach Russland berichten. Diese sollten in Zeiten des „Neuen Kalten Krieges“ ein Zeichen für „Völkerverständigung“ setzen. Als Professor für politische Geographie an der Universität Tübingen von 2009 bis 2015 holte er 2014 für eine Ringvorlesung neben Personen wie Egon Flaig auch den Verschwörungstheoretiker Daniele Ganser an die Uni. Dass er sich auch gern selbst mit vorgestellten Verschwörungen beschäftigt, mag daran liegen, dass bei solchen Theorien wie nach eigener Aussage auch „(i)n der ‚Kritischen Geopolitik‘ (…) immer die Frage ‚cui bono‘ – ‚wem nützt es?‘ eine zentrale Rolle“ spiele(1). Als Interview- und Gesprächspartner trat er bereits für mehrere rechte und verschwörungsideologische Formate wie NuoViso, KenFM, Free21, Klagemauer TV des Sektenführers Ivo Sasek(2) oder die Gruppe42(3) auf. 2015 war für Rothfuß sogar ein Auftritt als Redner bei Wir sind Deutschland drin(4), einem Plauener Pegida-Äquivalent mit etwas weniger „Lügenpresse“, dafür mit etwas mehr Verschwörungsideologie und Antiamerikanismus. Erwähnenswert ist auch Rothfuß‘ Engagement bei der rechtskonservativen NGO Internationale Gemeinschaft für Menschenrechte, die ihn im März 2015 zum Geschäftsführenden Vorsitzenden der deutschen Sektion wählte, bereits im Oktober aber wegen seiner zu russlandfreundlichen Haltung wieder absägte(5).
Über seine Beweggründe, in die AfD einzutreten, sprach er im Interview mit dem Querfront-Projekt eingeschenkt.tv, auf das an anderer Stelle weiter eingegangen wird(6). Am 18. Juni 2018 wurde er in das Kuratorium der Desiderius-Erasmus-Stiftung der AfD berufen(7). Geleitet wird die Stiftung von der rechten Vertriebenenaktivistin Erika Steinbach. Inzwischen hat Rothfuß auch erfolgreich die Ideologie der rechten Partei verinnerlicht. Ein für den 8. November angekündigter Vortrag in Bautzen trägt den Titel „Globaler Pakt für Massen-Migration: Wir, das Volk, im multikulturellen ‚Experiment‘ der globalistischen ‚Eliten‘“(8). Verschwörungsideologien, Russlandverehrung und rechtes Denken im Stile der AfD beschreiben die Weltsicht Rothfuß‘ treffend. Da ist es nur konsequent, dass ihm auch die sogenannte „Patriotische Friedensbewegung“ um AfD-Neonazis wie Jens Maier gefällt(9).

Im Anschluss an Rothfuß soll Rico Albrecht auftreten. Albrecht war bereits im letzten Jahr beim AWK als Redner dabei(10). Er gehört zur sogenannten Wissensmanufaktur um Andreas Popp. Gemeinsam haben die beiden ihren Masterplan zur Abwendung des drohenden Untergangs, ihren „Plan B“, entworfen. In diesem beziehen sie sich etwa auf den überzeugten Nationalsozialisten Gottfried Feder und dessen völkisch-antisemitische Zinskritik, die sie von der Verstrickung in den Nationalsozialismus reinzuwaschen versuchen. In ihrer verkürzten Kapitalismuskritik machen auch sie als Wurzel allen Übels den Zins aus und einen „Machtapparat“, der Politiker_innen als „Marionetten“ nutze(11). Auch Rico Albrecht trat als Redner für allerlei verschwörungsideologische Gruppierungen auf. Ein paar Schlaglichter:
2013 war er beispielsweise Teil des Alpenparlament-Kongresses(12). Bei Alpenparlament werden Videos zum gesamten Spektrum von Verschwörungsfantasien und insbesondere zu pseudomedizinischen Inhalten angeboten. Bereits im April 2014 gehörte Albrecht zu den Redner_innen der ersten sogenannten „Mahnwachen für den Frieden“ an der Seite rechter Verschwörungstheoretiker wie Jürgen Elsässer und Lars Märholz(13). Es folgten weitere Auftritte. 2014 trat Albrecht auch beim „Wege in die Freiheit“-Kongress des esoterischen NEUZEIT – Netz e.V. um das NeuZeit Magazin auf(14), in welchem unter anderem für die pseudowissenschaftliche „Germanische Neue Medizin“ des Antisemiten Ryke Geerd Hamer und „Impfkritik“ geworben wurde. Am 8. November 2015 redete er wie kurze Zeit später auch Rainer Rothfuß auf einer Demonstration von Wir sind Deutschland in Plauen(15). 2016 war er Hauptredner auf einer von EnDgAmE organisierten Kundgebung gegen die Bilderberg-Konferenz(16). Bei EnDgAmE (kurz für: „Engagierte Demokraten gegen die Amerikanisierung Europas“) handelt es sich um eine Abspaltung der „Mahnwachen für den Frieden“ mit ausgeprägterer rechtsoffener und antiamerikanistischer Ausrichtung.
Beim AWK redet Albrecht zum Thema Vernetzung. Wir dürfen gespannt sein, ob dabei immer noch dieselben Schmetterlingsvergleiche zu hören sein werden(17).

Verbindungen zu EnDgAmE hat auch das bereits erwähnte Format eingeschenkt.tv. Von Thomas Schenk und Max Bachmann sollen die Teilnehmer_innen des AWK lernen, wie sie einen YouTube-Kanal betreiben. Schenk und Bachmann sind Teil von eingeschenkt.tv und des gleichnamigen YouTube-Kanals. Für diesen interviewen sie Personen u.a. aus der verschwörungsideologischen Szene (Daniele Ganser, Rainer Rothfuß, Dirk Müller, …), dokumentieren Vorträge und filmen etwa Demonstrationen(18). Die Proteste für den Erhalt des Hambacher Forsts werden ebenso gewürdigt wie die rechtsoffenen Demos von EnDgAmE. Eingeschenkt.tv kann am ehesten im Querfront-Spektrum verortet werden. In Beiträgen wird immer wieder darauf Bezug genommen, dass eine Spaltung der Gesellschaft verhindert werden müsse, denn diese sei Teil einer „Teile und Herrsche“-Strategie. Die Lösung sei Dialog. Dass sie dabei eine Abgrenzung von Rassismus, Nationalismus und Co. vermissen lassen, ist wenig verwunderlich, betrachten Querfront-Anhänger_innen Kategorien wie „rechts“ oder „links“ doch ohnehin als überholt. Ein Beitrag zu einer AfD-Demo in Berlin und den Gegenprotesten trägt konsequenterweise den Titel „Teile und Herrsche“ und bemängelt das gegenseitige Anschreien anstelle eines Dialogs(19).
Auch für einen großen Teil des verschwörungsideologischen und insbesondere des prorussischen Spektrums ist eingeschenkt.tv zu haben. Ausführlich werden etwa Rothfuß‘ „Friedensfahrten“(20)(21) und die verschwörungstheoretischen Proteste gegen die Bilderberg-Treffen begleitet(22). In Videos ist Bachmann selbst, der mit GERnalist auch einen eigenen YouTube-Kanal mit ähnlicher Ausrichtung betreibt, hin und wieder im „NWO“-Shirt zu sehen(23). Das Kürzel steht für „New World Order“ bzw. „Neue Weltordnung“. Die Nutzer_innen dieser in der Szene weit verbreiteten Abkürzung glauben daran, dass eine mächtige Verschwörung daran arbeitet, der gesamten Welt mit unterschiedlichsten Mitteln eine neue Ordnung aufzuzwingen. Meistens beinhalte diese die (heimliche) Weltherrschaft der angeblichen Verschwörer_innen. Fotos zeigen ihn zudem im Kreise von EnDgAmE-Organisator_innen und -Akteur_innen(24). Für ein Musikvideo des Rappers Kaveh, an dem auch der „Truthrapper“ und Verschwörungsideologe Kilez More(25) beteiligt war, betätigte sich Bachmann an der Kamera und am Schnitt(26). Einem größeren Publikum außerhalb der Szene wurden er und das Projekt eingeschenkt.tv bekannt, als Bachmann im vergangenen Jahr mit der kanadischen Identitären-Aktivistin Lauren Southern am Rande der G20-Proteste gesichtet wurde(27).

Die einzigen Referentinnen beim AWK sind Leyla Bilge und Myriam Kern, die gemeinsam zur Organisierung von Demonstrationen referieren sollen. Die beiden AfD-Aktivistinnen sind ein Novum für den Kongress, bei dem bislang nur Männer hinterm Podium zu finden waren. Beide organisierten im vergangenen Jahr rassistische Demonstrationen, die das Thema Frauenrechte von rechts zu besetzen versuchten. Inwiefern die Demos der beiden als Beispiele für erfolgreiche Demonstrationen herhalten können, ist fraglich. Bilge war an der Organisation der sogenannten „Frauenmärsche“ in Berlin beteiligt. Der erste Marsch im Februar wurde von Gegendemonstrant_innen blockiert(28), zum zweiten im Juni kam nur noch ein Zehntel (ca. 200) der erwarteten Teilnehmer_innen(29). Ein dritter Marsch im Oktober in München wurde ebenfalls blockiert, allerdings von einer anderen AfD-Kundgebung, die nicht gemeinsam mit Bilges Demonstration auf einem Platz stehen wollte(30).
Die selbsternannte „Stimme von Kandel“, Myriam Kern, war Mitinitiatorin der rassistischen Aufmärsche in Kandel. Die dortigen Organisator_innen sind inzwischen allerdings tief zerstritten und agieren getrennt voneinander. Bei den Aufmärschen in Kandel kam es zudem immer wieder zu Angriffen auf Gegendemonstrant_innen und Polizist_innen(31). Beide Demonstrationen teilen zwei – dem eigenen Anspruch nach eigentlich eher unrühmliche – Eigenschaften. Zum Einen nahmen trotz des angekündigten Fokus‘ auf Frauen und der öffentlichkeitswirksamen Platzierung derselben am Fronttransparent vor allem männliche Rechte an den Aufmärschen teil, zum Anderen sind beide Mobilisierungen ein Beispiel für den Schulterschluss mit der extremen Rechten. AfD-Funktionär_innen liefen in Kandel (u.a. Identitäre Bewegung, rechte Hooligans, Die Rechte, Der III. Weg, Nationaler Widerstand Zweibrücken, JN)(32) wie in Berlin (u.a. Lutz Bachmann, Identitäre Bewegung, NPD, Reichsbürger_innen)(33) an der Seite von Organisationen aus dem extrem rechten und neonazistischen Spektrum.
Abseits der Demonstrationen ist Bilge, die 2016 in die AfD eintrat, seit 2017 als Referentin beim AfD-Bundestagsabgeordneten Ulrich Oehme beschäftigt(34). Dieser ist Teil der völkisch-nationalistischen Vereinigung Der Flügel um Neonazis wie Höcke und Poggenburg, war früher bereits Mitglied der rechtspopulistischen Kleinstpartei Die Freiheit und plakatierte im Bundestagswahlkampf den verbotenen Wahlspruch der SA(35). Auch Bilge selbst kann dem völkischen Flügel zugerechnet werden. Im November 2017 moderierte sie auf einer Konferenz des extrem rechten verschwörungsideologischen Compact Magazins. Die Redner neben ihr waren Björn Höcke, Lutz Bachmann (Pegida), Martin Sellner (Identitäre Bewegung), Jürgen Elsässer (Compact) und Oliver Hilburger, Gründungsmitglied der RechtsRock-Band Noie Werte, deren Musik in NSU-Bekennervideos genutzt wurde(36). Auf der Konferenz bezeichnete sie Höcke als „die Stimme Deutschlands“(37). Sie wird gerne als Rednerin für AfD-Veranstaltungen eingeladen, wo sie meist als vermeintliche „Frauenrechtlerin“ angekündigt wird – in der Regel kombiniert mit dem Verweis auf ihre „kurdischen Wurzeln“. Am 13. Juli 2018 etwa trat sie als Hauptrednerin beim damaligen AfD-Kreisverband Dachau/Fürstenfeldbruck auf(38). Bilge nahm auch wiederholt als Rednerin an den Demonstrationen des rechten Cottbusser Vereins Zukunft Heimat e.V. teil(39)(40), die stets Anlaufpunkt für die dortige Neonaziszene waren(41). Zu Beginn ihres „Frauenmarschs“ in München wurde vom Lautsprecherwagen Musik des NPD-Liedermachers Frank Rennicke abgespielt. Darauf angespochen soll Bilge mit den Worten abgewimmelt haben, sie könne daran „nichts Neonazistisches entdecken“(42). Bei einem „Frauenmarsch“ in Delmenhorst im Mai 2018, an dem Bilge teilnahm, warf sie eine Flasche nach einem Journalisten, wie auf zwei Fotos zu erkennen ist(43). Von rechter Seite wurde behauptet, Bilge hätte eine Mitdemonstrantin gegen eine linke Gegendemonstrantin verteidigt. Ein rechter YouTube-Kanal jedoch hat ein Video des Vorfalls veröffentlicht, auf dem deutlich zu sehen ist, dass Bilge die Flasche nach einem Mann wirft(44).
Auch Myriam Kern, die im Oktober 2015 ihr Amt als Stadträtin niederlegte, betätigt sich nun als Rednerin auf anderen Demonstrationen, schließlich sucht auch das von ihr mitgegründete Kandel ist überall neue Spielwiesen. Am 14. April 2018 sollte Kern als Rednerin auf einer „Kandel ist überall“-Demonstration in Wien auftreten. Als Rednerin angekündigt war außerdem Mitorganisatorin Margit Chlada, die in sozialen Netzwerken antisemitische Inhalte und Bilder mit Hakenkreuzen teilte(45). Größere Aufmerksamkeit erhielt auch Kerns Auftritt am 3. Oktober bei der rechten Demonstration von WIR für Deutschland in Berlin. In ihrer Rede orientierte sie sich an antisemitischen Verschwörungsfantasien, als sie von „der Agenda dieser Globalisten-, dieser Finanzelite“ sprach(46). Dabei handelt es sich um rechte Chiffren für „die Jüd_innen“. Um jeden Zweifel auszuräumen, schob sie direkt danach noch den Namen Soros als Teil dieser „Eliten“ hinterher. Bei diesem handelt es sich um eine Philanthropen mit jüdischen Wurzeln, der immer wieder als Teil jüdischer Verschwörungen halluziniert wird.

Über „Linksextremismus“ soll Christian Jung referieren. Jung „forscht“ vor allem zu einer angeblichen staatlichen Förderung. Im Vergleich zu einem großen Teil der AfD-Anhänger_innenschaft muss ihm zumindest zugute gehalten werden, dass er nicht an das satirische Konzept des „Demogelds“ glaubt. Da hört es dann allerdings auch schon wieder auf. Sein Buch zu dem Thema veröffentlichte Jung im Kopp-Verlag, welcher vor allem Bücher aus den Bereichen (rechter) Esoterik, Verschwörungsideologien und Ufologie herausgibt und vertreibt(47). Auch davor waren Jung und sein Co-Autor bereits für den Kopp-Verlag tätig(48).
Er selbst kann übrigens ebenfalls auf eine Karriere in der rechten Szene zurückblicken. Aus der CSU trat Jung aus und gründete den Landesverband Bayern der rechten Partei Die Freiheit mit, in dem er Landesvorsitzender wurde. Er war außerdem Betreiber des rechten, AfD-nahen Portals Metropolico(49), bis dieses im Mai 2017 mit einem weiteren rechten Portal, Journalistenwatch, fusionierte(50). Getreu seiner politischen Agenda trat Jung dann auch als Gesprächspartner für AfD-Formate auf(51). Wie auch Leyla Bilge trat er bei einer Veranstaltung des ehemaligen AfD-Kreisverbands Dachau-Fürstenfeldbruck auf(52). Verbände der AfD, der Jungs Thesen über staatlich finanzierten „Linksextremismus“ wiederum gut in den Kram passen, organisierten auch gerne Vorführungen des parallel zu seinem Buch erschienen Films(53). Bei einer Filmvorführung der Jungen Alternative Thüringen gab es sogar ein Grußwort von Höcke(54).

Eberhard Hamer kann getrost als der größte Name im Programm bezeichnet werden. Die Organisator_innen zählen den 86-jährigen ehemaligen Hochschullehrer in ihrer Einladung zu den „Urgesteinen der alternativen Medien“(55). Daher darf das ehemalige Mitglied beim rechten Bund freier Bürger(56) dann auch den Kongress mit einer „Brandrede“ beenden.
Hamer hat eine lange Laufbahn bei rechten Organisationen und Medien hinter sich. Gestartet in nationalliberalen Gefilden, zog es Hamer zügig weiter nach rechts. 1975 gründete er sein Mittelstandsinstitut Niedersachsen. Ende der 90er gründete er innerhalb des Bund der Selbständigen (BdS) die rechte Vereinigung Stimme der Mehrheit mit. Dieses Netzwerk galt als Scharnier zwischen Rechtskonservatismus und extremer Rechter. Weitere Gründungsmitglieder waren etwa die Galionsfigur der Neuen Rechten, Karlheinz Weißmann, der extrem Rechte ehemalige „Extremismusforscher“ Hans-Helmuth Knütter und der wegen einer antisemititschen Rede 2003 aus der CDU ausgeschlossene und nun für die AfD aktive Martin Hohmann(57). Zu den Kooperationspartner_innen der Stimme der Mehrheit gehörte etwa der rechte Verein Staats- und Wirtschaftspolitische Gesellschaft (SWG), der sich u.a. 2004 beim damaligen Bundespräsidenten Horst Köhler für den NS-Verbrecher Erich Priebke einsetzte. Bei der SWG referierten wiederum zahlreiche rechtskonservative bis extrem rechte Akteur_innen – unter anderem Alexander Gauland, Paul Schmidt-Carell, Karlheinz Weißmann, Hans-Helmuth Knütter, Dieter Stein, Armin Mohler, Ernst Nolte und natürlich auch Eberhard Hamer himself(58). In der Riege der Kooperationspartner_innen der Stimme der Mehrheit fanden sich auch der FPÖ-nahe Freiheitliche Akademikerverband Salzburg oder der DeutschlandBrief von Bruno Bandulet, der mittlerweile in der neurechten eigentümlich frei aufgegangen ist(59). Die Stimme der Mehrheit wurde irgendwann selbst dem Bund der Selbständigen zu rechts, weshalb dieser schließlich auf Distanz ging(60). Im Jahr 2000 stellte Eberhard Hamer in seiner Funktion als Vorstandsmitglied im rechten Bund gegen Kirchensteuermissbrauch Strafanzeige gegen den damaligen EKD-Ratsvorsitzenden. Er fühle sich „betrogen“ durch die Beteiligung der evangelischen Kirche am Entschädigungsfonds für NS-Zwangsarbeiter_innen(61). Aktuell ist er außerdem Teil des wissenschaftlichen Beirats der Wissensmanufaktur um Andreas Popp und Rico Albrecht(62).
Darüber hinaus war und ist Hamer für eine ganze Reihe rechter und verschwörungsideologischer Medien tätig. Im Bund der Selbständigen fungierte er in der Verbandszeitschrift Der Selbständige/DS-Magazin 2004 als Fachredakteur(63). Als Autor schrieb er unter anderem für die Junge Freiheit, die Preußische Allgemeine Zeitung und Zeit-Fragen. Bei letzterer handelt es sich um die ehemalige Zeitschrift des 2002 aufgelösten rechten, sektenartigen Verein zur Förderung der Psychologischen Menschenkenntnis (VPM), die inzwischen im Voltaire Netzwerk des ex-linken Verschwörungstheoretikers Thierry Meyssan angesiedelt ist(64). Mehrere Bücher veröffentlichte er im verschwörungsideologischen Kopp-Verlag und dem Aton-Verlag aus Unna.
Eberhard Hamer ist gern gesehener Redner bei rechten Veranstaltungen. Im Juli 2004 gab er ein Tagesseminar bei der rechten Burschenschaft Normannia Heidelberg(65). Er trat außerdem 2005 bei der ersten Bielefelder Ideenwerkstatt der rechten Burschenschaft Normannia-Nibelungen(66) und 2006 beim „11. Berliner Kolleg“ des neurechten Institut für Staatspolitik auf(67). Im Mai 2015 redete er auf einer Compact-Konferenz zum Thema „TTIP und CETA: Konzerne okkupieren staatliche Souveränität“. Laut taz bezeichnete er das Freihandelsabkommen TTIP dort als „kolonialistisches, imperialistisches Bestreben“ der amerikanischen „Hochfinanz“(68). Ferner trat er bei AfD-Verbänden auf. Hamer redete auch schon beim ersten AWK in Witten 2015, bezeichnete TTIP auch dort als „Kolonisierungsmaßnahme“(69) und behauptete, dass die Bundesregierung „letztendlich tun muss, was die Besatzungsmacht sagt“(70). Hamer trat mehrmals bei AfD-Verbänden auf. Bei einem Vortrag, den er im November 2015 beim AfD-Bezirksverband Ostwestfalen-Lippe/Detmold hielt, ist er auf Fotos mit Udo Hemmelgarn zu sehen, einem der Organisator_innen der „Alternativen Wissenskongresse“(71).
In Hamers Weltbild haben sich Bankiersfamilien wie die Rockefellers und Rothschilds verschworen, um sich die Welt Untertan zu machen(72). Diese „Weltregierung der US-Hochfinanz“ stecke etwa hinter der Finanzkrise(73). TTIP sei eine „Kolonialisierungsmaßnahme“ dieser Clique, eine „wirtschaftspolitische und wirtschaftsrechtliche Machtergreifung“ und Teil der Vorbereitung eines „Wirtschaftskriegs“ gegen Russland(74). Auch Migration und Fluchtbewegungen seien von dieser gelenkt. Antiamerikanistische und (mindestens) latent antisemitische Stereotype finden sich in seinen Verschwörungsfantasien wieder. Der klassisch-verschwörungsideologischen Abwehr von Kritik folgend weiß er auch, woran es liegt, wenn er kritisiert wird: „Man wird dies als ‚Verschwörungstheorie‘ oder als ‚Antiamerikanismus‘ oder sogar als ‚Antisemitismus‘ (Rothschild) abtun oder solche Veröffentlichungen ganz zu verhindern versuchen, denn immerhin gehören der US-Hochfinanz auch wesentliche Teile der Print- und Bildschirmmedien überall in der Welt“(75). Die EU gilt ihm wahlweise als „Diktatur“(76) oder als „von ihr (USA) gesteuerte Funktionäre“(77).
In einem Beitrag für das Deutschland-Journal der SWG forderte er unter anderem den „Entzug aller Sozialleistungen für Millionen von Menschen, die nie selbst zu diesem Sozialsystem beigetragen haben“. In der Konsequenz also ein sozialer Kahlschlag nach dem Motto: „Wer eben nicht arbeiten will, muß hungern“. Sicherungssysteme der sogenannten sozialen Marktwirtschaft bezeichnete Hamer in dem Beitrag als „sozialistische Umverteilung“.(78)
Als wissenswerte Randnotiz sei erwähnt, dass sein Bruder Ryke Geerd Hamer war, der Erfinder der Pseudobehandlungsmethode „Neue Germanische Medizin“. Dieser machte aus seinem Antisemitismus noch weniger einen Hehl als sein Bruder(79).

Das also sind sie, die acht Rechten und Verschwörungsgläubigen, die dabei helfen sollen, die Fans des „alternativen Wissens“ besser zu vernetzen – und letztlich weiter an die AfD zu binden. Wer glaubt, es hier lediglich mit „kritischen Geistern“ zu tun zu haben, irrt gewaltig. Mit Ideolog_innen dieser Art setzt man sich nicht zusammen, man setzt sich mit ihnen auseinander. Gegen die unheilvolle Allianz aus Verschwörungswahn, Antisemitismus, rechtem Denken und Querfront-Praxis gilt es, auf die Straße zu gehen.
Keine Bühne für Aluhüte!


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