PM: Demonstration gegen rechten Kongress in Fröndenberg

Sonntagvormittag fand in Fröndenberg im Stiftskeller der vierte sogenannte „Alternative Wissenskongress“ (AWK) statt, der von AfD-Funktionär_innen unter dem Deckmantel eines Vereins organisiert wird. Dabei handelt es sich um eine Veranstaltung, bei der allerhand Verschwörungsideolog_innen – häufig solche, die am rechten Rand zu verorten sind – ein Podium geboten wird. Um Gegenproteste und Raumabsagen zu vermeiden, wird der Veranstaltungsort des AWK seit 2016 nicht mehr offen angekündigt. Nur wer eine Karte kauft, bekommt den Ort kurz zuvor mitgeteilt. Trotz all dieser Vorkehrungen brachte unter anderem auch die Kampagne „Keine Bühne für Aluhüte!“ den Veranstaltungsort in Erfahrung und konnte in Fröndenberg Gegenproteste organisieren.
Bereits im Vorfeld wurde der geheimen Vorbereitung des Kongresses mit einer öffentlich wahrgenommenen Informationskampagne über den Kongress, seine Organisator_innen und auch die eingeladenen Referent_innen begegnet. Unter diesen befanden sich dieses Mal bekannte rechte Aktivist_innen und Personen, die sich auf antisemitische Verschwörungsideologien oder sogar einen Nationalsozialisten beziehen. Am Sonntag nahmen 40 Personen an der Demonstration der Kampagne unter dem gleichnamigen Motto „Keine Bühne für Aluhüte!“ teil, der sich auch einige Anwohner_innen anschlossen. Mitglieder der Partei ‚Die Partei‘ organisierten zudem eine kleine Mahnwache in direkter Nähe des Kongresses.
Sprecherin der Kampagne, Steffi Kleienkamp, dazu: „Die Demonstration bewerten wir als kleinen Erfolg. Bei 40 Teilnehmer_innen ist sicherlich noch Luft nach oben, aber in Anbetracht der widrigen Umstände sind wir mit der Anzahl zufrieden. Sowohl am Samstag als auch Sonntag gab es Konkurrenzveranstaltungen, der genaue Ort war erst kurz vorher bekannt, sodass auch in Fröndenberg kaum mobilisiert werden konnte, und der AWK war zuvor zwei Jahre lang nicht thematisiert worden. Gerade vor dem Hintergrund der letzten beiden Schwierigkeiten freut es uns umso mehr, Menschen erreicht zu haben, die sich spontan mit der Demonstration solidarisierten. Schließlich geht es uns auch darum, solche Menschen vor Ort zu unterstützen und mit rechten Veranstaltungen nicht allein zu lassen“.
Scharfe Kritik übt die Kampagne am Vorgehen der Polizei. Bereits nach Verlassen des Zuges wurde ein Großteil der angereisten Gegendemonstrant_innen von den Beamt_innen festgehalten. Auch in der Folge gestalteten sich die Verhandlungen schwierig, immer wieder wurde mit fadenscheinigen Argumenten versucht, den Protest hinzuhalten und zu kriminalisieren. Fast eineinhalb Stunden wurde der Beginn der eigentlichen Demonstration hinausgezögert. Die Polizei zeichnete ein Bild möglichen Krawalls, während der Gegenprotest die gesamte Zeit über vollkommen friedlich verlief.
Steffi Kleienkamp: „Der Polizeieinsatz war schon allein in seiner Größenordnung vollkommen überdimensioniert. Dass erfahrene Polizist_innen dann auch noch vermeintliche Ordnungswidrigkeiten herbeireden und beispielsweise angeblich fällige GEMA-Gebühren anführen, nur um später wieder zurückzurudern, kann nur als Farce bezeichnet werden. Erfreut sind wir hingegen von der klaren Absage des Bürgermeisters in Richtung des AfD-Kongresses. Mit unserem Protest haben wir deutlich gemacht, dass die AfD auch außerhalb der Großstädte damit rechnen muss, dass sie als das enttarnt wird, was sie ist: eine rechte Partei, die sich hier zum Sprachrohr für allerhand krude und mitunter antisemitische Verschwörungsfantasien macht. Die heimliche Organisierung des Kongresses und die Auswahl einer Stadt wie Fröndenberg als Austragungsort sind Zeichen dafür, dass Gegenproteste wirken. Die Verantwortung dafür, dass dennoch zwei Tage nach dem 80. Jahrestag der Novemberpogrome nahe der Gedenktafel für die während des Nationalsozialismus‘ ermordeten Jüd_innen in Fröndenberg Antisemit_innen und andere Rechte für ihre Ideologie werben durften, trägt neben der AfD vor allem der Pächter des Stiftskellers. Herr Riepl versucht zwar derzeit, sich in der Presse als unwissendes Opfer zu inszenieren, im Vorfeld allerdings erklärte etwa ein Journalist, Riepl sei bewusst, wer da komme.“


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